Forschungsprojekte

pc4youth

Forschungsleitung

Alexander Grob

Forschungsteam

Alexander Grob

Projektbeschreibung

Effekte tutoriellen Lernens

Einleitung

In Europa ebenso wie in den USA vergrösserte sich in den letzten Jahren die Kluft zwischen den Anforderungen, die Arbeitgeber einerseits an ihre Angestellten stellen und den Fähigkeiten und Fertigkeiten, die diese andererseits mitbringen. Gleichzeitig fallen international Regionen mit geringem Lebensstandard immer weiter hinter die Industrienationen zurück. Insbesondere Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen verfügen häufig weder über die notwendigen kognitiven, noch über fachspezifische oder soziale Kompetenzen, um sich in die immer stärker technologisierte Arbeitswelt zu integrieren.
Diese negativen Perspektiven werden durch ein spezielles Trainingsprogramm verbessert werden. Auf der Basis eines Peer-Tutoring-Programms erwerben Jugendliche grundlegende Computerkenntnisse. Andererseits gibt es noch immer zahlreiche pädagogische Bedenken gegenüber der Computernutzung durch Jugendliche. So wird angenommen, dass die Computernutzung eine soziale Isolierung, geistige Verarmung und Realitätsflucht hervorruft sowie die Kreativität und Aktivität der Jugendlichen einschränkt. Diese Vorurteile erweisen sich aber als empirisch nicht haltbar. Im Gegenteil, die Nutzung von Computern hat positive Effekte auf die soziale und kognitive Entwicklung sowie auf die Persönlichkeit der Jugendlichen.

Zielfaktoren

Das Trainingsprogramm zielt darauf ab, neben Computerkenntnissen auch die Selbstwirksamkeit, das subjektive Wohlbefinden, das Selbstkonzept, positive und negative Affektivität sowie soziale Kompetenzen zu verbessern, eine positive Zukunftseinstellung und konkrete Berufswünsche aufzubauen und die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme zu fördern.

Das Programm

Die Grundidee des Trainings ist, dass sozial benachteiligten Jugendlichen die Möglichkeit gegeben wird, auf einem neuen Gebiet positive Lernerfahrungen zu machen. Das Programm ist in drei Stufen gegliedert.
Stufe 1 ist als tutorielles Lernsetting konzipiert, in dem die Jugendlichen grundlegende Computerkenntnisse erwerben. Lerninhalte sind Textverarbeitung, Erstellen von Grafiken und Internet-Nutzung. Der Kurs schließt mit einer kriteriumsorientierten Überprüfung der neu erworbenen Fähigkeiten ab. Nach erfolgreicher Teilnahme an dem Einführungskurs erhalten die Teilnehmer eine PC License in Form eines Zertifikats. Diese Lizenz ist ein Symbol für einen Lernfortschritt und berechtigt sie, selbst anderen sozial benachteiligten Jugendlichen die Inhalte des Einführungskurses zu vermitteln (Stufe 2).
Auf Stufe 2 werden die Tutoren für ihre Arbeit auf zwei Arten entlohnt: der erste Anreiz ist zeitorientiert, d.h. die Tutoren erhalten 40 Franken pro Unterrichtseinheit; der zweite ist ergebnisorientiert, d.h. wenn der Schüler am Ende des Kurses den Test besteht, dann bekommt der Tutor weitere 40 Franken. Darüber hinaus haben die Tutoren die Möglichkeit, ihre eigenen Computerkenntnisse zu verbessern. Um die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme bei den Jugendlichen zu fördern, beantworten die Tutoren am Ende jeder Unterrichtseinheit eine Reihe von Fragen, beispielsweise zum Ziel der spezifischen Einheit und zu Problemen beim Unterricht des Schülers.
Stufe 3: Nachdem ein Tutor drei andere sozial benachteiligte Jugendliche erfolgreich ausgebildet hat, kann er in einer dritten Stufe zum PC Consultant aufsteigen. Dessen Aufgabe besteht darin, die Tutoren bezüglich inhaltlicher, didaktischer und motivationaler Fragen zu beraten. Wie die Tutoren beantworten auch die beratenden Jugendlichen am Ende jeder Unterrichtseinheit verschiedene Fragen, die deren Fähigkeit zur Perspektivenübernahme unterstützen sollen. Neben der Belohung durch den Aufstieg in der internen Hierarchie des Projektes erhalten die Consultants eine finanzielle Entlohung für ihre Tätigkeit. Zudem werden sie vom Projektteam dabei unterstützt, sich als Praktikanten oder Auszubildende in lokalen Betrieben zu bewerben.

Das Untersuchungsdesign

Das Programm ist zunächst für einen Zeitraum von zwei Jahren geplant (Beginn April 2008). Untersuchungsschwerpunkte sind Veränderungen in psychologischen Variablen (z.B. subjektives Wohlbefinden, Selbstwirksamkeitserwartung, Fähigkeit zum Perspektiven-wechsel, Selbstkonzept, positive und negative Affektivität), kognitiven Fähigkeiten (Computerkenntnisse) und der sozialen Kompetenz. Zu diesem Zweck werden die Lernbiographien der Jugendlichen erhoben sowie standardisierte Fragebögen (Selbst- und Fremdeinschätzung) und ein kriteriumsorientierter Leistungstest eingesetzt. Die Lernbiographien der Jugendichen werden im Rahmen eines Interviews während ihrer Teilnahme an dem ersten Kurs erhoben. Die standardisierten Fragebögen dagegen werden zu verschiedenen Zeitpunkten eingesetzt. Die Kontrollgruppe (KG), die nicht an den Kursen teilnimmt, wird dreimal befragt, wobei zwischen der ersten und zweiten Befragung zehn Wochen, zwischen der zweiten und dritten Befragung sechs Monate liegen. Diejenigen, die nur als Schüler an dem Kurs teilnehmen (SG) bearbeiten die Fragebögen zu Beginn und am Ende des Kurses sowie sechs Monate nach Abschluss des Kurses. Jugendliche, die als Trainer nach Abschluss des Kurses im Projekt verbleiben (TG) bearbeiten sie zusätzlich nach dem Ende ihrer Trainertätigkeit, und diejenigen, die alle drei Stufen durchlaufen (CG) ausserdem am Ende ihrer Aufgabe als PC-Consultant.

Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Suzanne und Hans Biäsch.

Eine Implementierung des Projektes findet seit April 2008 im Raum Basel und in Minsk (Weissrussland) statt.

weitere Informationen:
http://www.pc4youth.ch

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